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Hallo, bin nach langem suchen zufällig auf dieses Forum gestoßen und hoffe, etwas mehr Klarheit in meine Unsicherheit zu bekommen.
Ich muss einen langen Text schreiben, weil ich nicht weiß wie ich sonst alles chronologisch unterbringen soll. Ich habe überlegt, einfach nur die Frage zu stellen, aber ich denke das "wie es dazu kam", also die Anamnese, ist schon wichtig. Ich bitte daher den langen Text schon im Vorfeld zu entschuldigen.
Meine Stats: 38 Jahre, bereits 1 wurzelbehandelter Zahn vor 4 Jahren - kenne also die Tortur und den Ablauf. Teilweise freiliegende Zahnhälse, aber keine Probleme.
Die Zahnarztpraxis: 4 Ärzte in Praxisgemeischaft. Ich erwähne das, weil das noch Bedeutung erlangt.
Die aktuelle Krankengeschichte:
Dienstag vor 2 Wochen ziehender Schmerz bei heiß/kalten Getränken gefühlt zwischen letztem und vorletztem Backenzahn oben links (von mir aus gesehen). Beide haben seit Jahren eine recht große Amalgamfüllung.
Da ich Sonntag immer die Zahnzwischenräume nach dem putzen auch mit Zahnseide reinige, auch mal unter das Zahnfleisch ca 1 bis 2 mm rutsche dachte ich zunächst, das Zahnfleisch incl. der Zahnhälse sei dadurch etwas gereizt. Das kommt manchmal vor und insofern kannte ich das Gefühl. Es wurde aber nicht besser.
(Bis heute, auch nach den nachfolgend geschilderten Behandlungen, hatte ich generell an keinem Zahn auf dieser Seite einen Aufbissschmerz. Abends eher verstärkte, aber immer noch leichte gelegentliche Schmerzen, auch ohne Reiz, Nachts völlig abklingend und am Morgen völlige Ruhe.)
Also bin ich Freitag vor 2 Wochen zum Zahnarzt.
Zu Arzt A
Füllungen in der Draufsicht klinisch unauffällig.
Klopftest an der ganzen Zahnreihe negativ, Kältetest am LETZTEN Zahn positiv, aber nicht sonderlich heftig.
Röntgenaufnahme gemacht, soweit klinisch unauffällig. "Kleiner Schatten unter Füllung am VORLETZTEN Zahn. Könnte man wechseln", müsse man aber nicht, meinte Arzt A. Erstmal dieses Zeug drauf gepinselt zum beruhigen. Hoffen. Es wurde nicht besser. Am Wochende selber mal Klopftest probiert und da fiel mir auf, das ein Zahn weiter vorn, der 4. Zahn von hinten, also der hinter dem Eckzahn (Es tut mir leid, ich weiß leider nicht die Fachbezeichnungen) klopfempfindlicher war als die anderen, nicht unangenehm, aber spürbar. Vor allem früh nach dem Aufwachen. Dieser Zahn besitzt auch eine tiefe Füllung. Also Montag wieder in die Praxis.
Diesmal war Arzt B verfügbar.
Auf den empfindlichen Zahn hingewiesen. Wieder wurde ein Klopftest gemacht und natürlich war er da NICHT empfindlich. Dafür war der vorletzte Zahn wieder kälteempfindlich. Auch Arzt B wollte da die Füllung tauschen, aber diesmal, weil an der Vorderseite des Zahnes im Zwischenraum zum 3. Zahn von hinten eine kariöse Stelle sei "die etwas komisch ausiseht". Wie gesagt, im Röntgenbild war da aber kein Loch zu sehen. Wieder nur gepinselt, "vermutlich irritierte Zahnhälse im Zwischenraum". Wieder nach Hause.
Am Abend dieses Montag stärker werdende Schmerzen zwischen letztem und vorletztem Zahn bei heiss/kalt Getränken, wieder war der Zahn weiter vorn, der 4. Zahn von hinten, klopfempfindlich, und da vorn "zog" es nun auch, aber nur gelegentlich. Nun auch ab und zu ein kurzer, leichter stechend/ziehender Schmerz auf der Seite den ich keinem Zahn zuordnen konnte, ohne Auslöser immer mal für paar Sekunden, dann war wieder Ruhe. Leichtes Druckgefühl auf der Seite, keine Schwellung. "Kann man sich aber auch einbilden wenn man dauernd drauf achtet", dachte ich.
Da ich vor meiner letzten Wurzelbehandlung auch kaum Symptome hatte, dann aber im Röntgenbild und bei Eröffnung alles komplett vereitert war und ich tagelang trotz und während Behandlung höllische Schmerzen hatte, wollte ich diesmal nichts anbrennen lassen, und mir war es egal ob ich die ZÄ nerve. Also Dienstag früh wieder hin.
Zahnarzt C...
Wieder die üblichen Kontrollen. Nichts klopfempfindlich, wenn dann am ehesten dieser vordere, der 4. von hinten, kältemepfindlchkeit am letzten Zahn. Wieder auf den vorderen Zahn hingewiesen. Dieser Arzt sagte nun "die Füllung sieht tatsächlich etwas sonderbar an diesem Zahn aus, wir nehmen die mal raus." Die beiden hinteren Zähne ignorierte er erstmal "was nicht heißt, dass da nicht trotzdem etwas ist". Also Füllung an diesem Zahn rausgebohrt. "Oh, wir sind schon durch. Diese Füllung war nicht mehr in Ordnung, da war sicher Karies, wir kommen nun leider um eine Wurzelbehandlung nicht herum". "PRIMA!", dachte ich, genau DAS, was ich vermeiden wollte. Und ob da Karies war, wusste er auch nichtmal. Täglich 2 mal putzen, Zahnseide, alle 6 Monate zur Kontrolle, selbst bei Schmerzbesuchen nichts auffälliges an diesem Zahn, und nun doch eine Wurzelbehandlung. Ich war bedient. Aber es kommt noch schlimmer. Gebohrt und gebohrt, 1. Feile abgebrochen. "Oh, die is wohl weg. Bitte Mund auflassen und nicht sprechen". Sicher wegen der Keime im Mund. Kofferdam hatte ich nicht dran. Er hat weiter probiert. Von Lupenbrille zu Superlupenbrille gewechselt. Bemüht hat er sich wirklich, das muss ich anerkennen. "Ich finde die Wurzelkanäle nicht, das gibts doch nicht, die sind wie eingemauert". Dann 2. Feile abgebrochen. Mir entfuhr ein genuscheltes "Na toll, und jetzt?". Nach ca. 30 min gab er auf. Als ich wieder sprechen durfte und fragte was nun wird, vor allem mit den abgebrochenen Feilen, sagte er "Ich weiß nicht ob die noch drin sind es kann sein das sie auch wieder draußen sind, ich habe ja nur oberflächlich gebohrt, ich bin ja gar nicht tiefer gekommen. Ihre Wurzelkanäle sind so zugemauert, wie ich es selten erlebe. Wir hören für heute erstmal auf, probieren es in 2 Tagen nochmal. Wenn wir sie dann nicht finden sieht es schlecht aus, dann müssen wir evtl. den Zahn ziehen". Ich war restlos bedient. Wozu die ständigen Zahnkontrollen, jedesmal 10 Euro Praxisgebühr, und das gewissenhafte putzen, wenn ich doch evtl. einen Zahn verliere? Dann brauch ich auch nicht zum Zahnarzt. Dann kann ich meine Zähne, ohne viel Geld zu bezahlen, auch allein rausfallen lassen. Ich muss aber sachlicherweise hinzufügen, das es sich hier um einen erfahrenen Zahnarzt handelt.
Was mich vor allem grübeln ließ: Wieso ich zuvor bei ZWEI !!! anderen Ärzten der Praxis war, die diesen Zahn überhaupt nicht behandelt hätten!
Er machte eine weiß/graue Füllung drauf, ich sollte 2 Tage später wiederkommen.
Das interessante daran ist nun, dass der heiß/kalt Schmerzreiz zwischen letztem und vorletztem Zahn seitdem völlig verschwunden ist. Alle Zähne fühlten sich wieder normal an, außer gelegentlich einem leichten ziehen an diesem aufgebohrten Zahn und einem leichten Druckgefühl. Er ist auch immer noch leicht klopfempfindlich, weh tut gar nichts, weder beim klopfen, noch beim beißen. Kältetest wage ich allerdings nicht...
Zurück zum Ablauf. Donnerstag also mit Termin wieder zum Arzt, Arzt D
Auf das Schlimmste gefasst, in der Nacht kein Auge zugetan. Zu meiner völligen Überraschung meinte nun mein eigentlicher Stammarzt D - somit hatte ich alle Ärzte der Praxis durch - das man nach Rücksprache mit dem zuvor behandelndem Arzt C erstmal gar nichts weiter machen wolle und abwarten wolle. Ich hätte einen Zahn mit einer seltenen Wurzel, irgendwas mit Vasen oder V-förmig - ich kann das nicht mehr genau erinnern, da ich so aufgeregt war. Wenn ich viel Glück hätte würde sich über der Pulpa wieder Dentin oder sowas ännliches bilden, das dauere aber ein paar Wochen. Ich solle in 4 Wochen wiederkommen, es sei denn, der Zahn schmerzt, dann solle ich sofort kommen, und ich solle darauf achten. Wenn ich Glück habe, erhole sich der Nerv und man könne dann eine normale Füllung drauf machen und mir den Zahn noch ein paar Jahre erhalten. Sie fuhr dann noch mit dem Handschuh über das obere Zahnfleisch des Zahnes und drückte und fragte, ob da was weh täte oder empfindlich sei oder anders als an den anderen Zähnen - das war es nicht. Ich fragte auch, was denn nun mit den abgebrochenen Feilen da drin sei. Die Antwort kann ich leider nicht mehr erinnern, weil das alles so schnell ging und viel zu viel für mich war. Auf Wurzelbehandlung statt Zahn ziehen GEHOFFT, das Ziehen des Zahns BEFÜCHTET, die Spritze und Schmerzen ERWARTET, und am Ende wird GAR NICHTS gemacht. Das verstehe wer will.
Ich habe den ganzen Ablauf so ausführlich chronologisch geschildert, um nur eine Antwort zu erhalten:
Ist das, was der letzte Arzt sagte, tatsächlich möglich? Zahnerhalt ohne Wurzelbehandlung trotz eröffneter Pulpa und nach so - nach meinem subjektiven Empfinden - erheblichen Manipulierungen im Zahn, incl. der abgebrochenen Feilen? Da drin ist doch nichts mehr steril, das kann sich doch nur entzünden, oder liege ich da falsch?
Ich weiß, das sowas grundsätzlich zwar möglich ist. Dafür sprechen würde, das Arzt C nach eigener Aussage gar nicht tief in die Wurzel kam. Wenn kein oder nur wenig Karies vorhanden war, sind auch keine/kaum Keime in den Nerv gelangt. Vorrausgesetzt, auch nicht durch die Behandlung.
Ich habe immer noch dieses leichte muckern und ziehen in dem Zahn oder auf der Seite und ein leichtes brennen desZahnfleisch wenn ich mich darauf konzentriere...aber sogenau kann ich das gar nicht mehr sagen. Gestern war aber völlige Ruhe. Ich bin völlig ratlos, was ich tun soll. Ich hab bisher meinem Arzt immer vertraut, aber diese Geschichte nun kommt mir seltsam vor. Sollte ich eine Zweitmeinung und ein 2. Röntgenbild, jetzt nach dieser Behandlung einholen, oder lief das aus zahnärztlicher Sicht alles korrekt ab?
Vielen Dank für Ihre Antworten
Paul
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Hallo,
eine mehr oder weniger schöne Geschichte. Ich bin darauf gestoßen, da ich selbst jedes Jahr solchen Zahnarztodysseen erlebe.
Aber ansonsten sehr schön geschrieben.
Nach dieser ganzen Tragik um abgebrochene Pfeile, sollte man doch einfach mal ein kleines Röntgenbild machen. Darauf erkennt man doch mit Sicherheit Überbleibsel der Behandlung.
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