Kleinere Karies



Hallo Herr Angus,

Sie schrieben:

seit wochen habe ich nun Zahnschmerzen im rechten Oberkiefer oder genauer gesagt am 15er oder auch am 16er.
kurz zur vorgeschichte: eine kleinere Karies musste am 15er behandelt werden(im verlauf der behandlung stellte sich diese als tiefer da als zuvor vermutet. zeitgleich wurde die Füllung am 16er (der bereits seit jahren tot und wzb ist) erneuert. Diagnose für den 16er – eine Krone muss her, am besten auch gleich eine für den 17er. da die fülung im 16er riesig war, brach mir dort insgesamt drei mal etwas aus der Füllung heraus. auch der 15er zeigte bald unangenehme symptome. beim vitalitätstest reagierte er dann auch ca. 3 wochen nach der behandlung nur noch sehr schwach, war also am absterben.
--- das ist nicht logisch, das kann auch das Gegenteil beweisen: der Zahnnerv hat sich einfach gut beruhigt.

da er aber im verlauf der nächsten wochen weiterhin immer mal wieder schmerzte,
--- was bei der derzeitigen Diagnoseschwierigkeit ob 16 oder 15 eben nicht klar ist. Dass beide Zähne gleichzeitig schuldig sind, ist ein statistisch sehr niedrig wahrscheinliches Ereignis, und selbst dann liegt fast immer eine zeitliche und schmerzsensibilisierende Reihenfolge vor.

wurde eine wzb durchgeführt (auf dem Röntgenbild war aber kaum etwas zu erkennen).
--- paßt

trotzdem beruhigte sich der zahn nicht. mit einer provisorischen Füllung nahmen die schmerzen zu.
--- paßt

also entschied der Zahnarzt WSR (ohne Revision der wzb).
--- Verzweiflungstat

nach der WSR beruhigte sich der 15er für gut eine woche und begann wieder zu schmerzen.
--- klare Bestätigung einer Neuropathie

zur selben zeit wurden der 16er und 17er abgeschliffen und mittlerweile auch überkront.
jetziger stand: alle Zähne sind wohl organisch unauffällig – auf dem zahnfilm ist nichts zu sehen – keine klopfempfindlichkeit.
--- klassisches Symptom 1

die schmerzen beginnen meist am morgen und nehmen zum abend zu (sie liegen dann bei 6-7), verschwinden dann über nacht
--- klassisches Symptom 2

und beginnen dann wieder am morgen. meist empfinde ich ein brennen am 15er oder um den ganzen zahn. häufig fühlt es sich auch an, als ob etwas zwischen dem 15er und 16er stecken würde. manchmal spüre ich leichte „stromschläge“ am zahn.
--- klassisches Symptom 3

Schmerzmittel können den schmerz etwas zurückdrängen aber nicht ausschalten (am besten wirkt noch ass).
--- klassisches Symptom 4

mein Zahnarzt ist ratlos und vermutete erst mal eine allergische reaktion auf den zahnzement. der kieferchirurg meinte, dass es bei einigen menschen eben länger dauert mit den schmerzen. versuchsweise hat er mir die Zähne am letzten Freitag mal betäubt. es war dann für einige stunden gut aber mit nachlassender betäubung bekam ich eine stakre schmerzatacke (8-9). von einer neuropathie wollen die beiden nichts hören, zumindest reagieren sie nicht drauf.
--- small wonder, wie der Brite sagt. Das kennen sie nicht. Neuralgie ist gerade noch in der Ausbildung drin gewesen, Neuropathie ganz sicher nicht, denn die gibt es ernsthaft als Forschungsgebiet erst seit etwa 10 Jahren.

von einem psychiater (zwischenzeitlich war ich total frtig von den anhaltenden schmerzen) bekam ich amitriptylin verschrieben. dieses nehme ich nun seit 9 tagen (1 mal tgl. 25mg).
--- Richtiges Mittel, ziemlich mutige (zu hohe) Einstiegsdosis. Ich hätte deutlich weiter unten angefangen. Jetzt haben Sie aber oben angefangen, deswegen sind jetzt Runterdosierungsideen unsinnig.

jetzt bin ich erst mal krank geschrieben, da mich auch die nebenwirkungen des medikaments ganz schön mitgenommen haben. die schmerzen sind aber im moment erträglich und setzen später ein.
--- und da sollten Sie weitermachen: Sie brauchen ein a) Schmerztagebuch, das Sie gewissenhaft führen müssen! und b) eine selbstentwickelte Zieldosierung. Damit meine ich, dass Sie selbst am besten den richtigen Kompromiss aus Nebenwirkungen des Medikaments (Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, allgemeine Leistungshemmung) und der Nutzleistung (Rückgang der neuropathischen Schmerzen im Kiefer) festlegen können. Erfahrungsgemäß gibt es 2 Sorten Patienten: 1) solche, die mit sehr niedrigen Dauerdosen von 10 mg und weniger klarkommen und 2) solchen, bei denen auch 50mg nicht reichen würden.


ich hatte auch das gefühl, das kälte die schmerzen auslöst oder verschlimmert.
übrigens hatte ich auch vor der ganzen zahngeschichte häufig kopfschmerzen. die sind seit der starken Zahnschmerzen so ziemlich weg!?
--- ist praktisch die gleiche Leitung (Trigeminus Schmerzfasern, für die mitlesendenden Kollegen: Nozizeptoren aus den Arterien der Dura mater empfangen bei Kopfschmerzen ein Entzündungssignal, das sie über trigeminale Bahnen und Kerne im Hirnstamm in unmittelbarer Nähe der Zahnpulpenbahnen übertragen. Vermutlich gibt es gemeinsame Fehler.)

meine fragen: ist das neuropathischer schmerz? wie lange braucht amitriptylin bis es wirkt? was muss noch abgeklärt werden?
--- Ami sollte nach 2 Wochen geklärt sein, insbesondere bei Dosierungen über 25mg. Ein Behandlungserfolg liegt dann vor, wenn der Ursprungsschmerz halbiert ist. Deswegen brauchen Sie unbedingt ein Schmerztagebuch. Sie werden sich wundern, wie schnell Sie sich nicht mehr an Ihre Schmerzstärke erinnern können.

vielen dank!
ach ja, bei essen wirds besser mit den schmerzen!
--- wieder ein klassisches Symptom, dass es nicht Ihre Zähne schuld sind.

Viele Grüße

Joachim Wagner

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