Welche Arten der Zahnfleischerkrankungen gibt es?



Arten der Parodontalerkrankungen

Grundsätzlich können alle Veränderungen des Parodontiums dahingehend unterteilt werden, ob sie allein die Schleimhaut betreffen (Gingivale Erkrankungen), oder ob auch die restlichen Strukturen betroffen sind (Parodontale Erkrankungen). Außerdem unterscheidet man entzündliche von nicht entzündlichen Prozessen. Aufgrund der engen physiologischen Zusammenhänge können die Erkrankungen jedoch auch ineinander übergehen. Da viele parodontale Veränderungen im klinischen Bild auch anderen Mundschleimhauterkrankungen ähneln, müssen auch diese in einer vollständigen Klassifikation berücksichtigt werden.
Der lange Nomenklaturstreit

Der älteste Hinweis auf Parodontalerkrankungen stammt wohl von Aulus Cornelius Celsus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Doch erst Pierre Fauchard beschrieb 1746 erstmals die klinischen Symptome einer Parodontitis. 1885 wurde vorgeschlagen, die beschriebene Erkrankung nach ihrem Autor „Maladie de Fauchard“ zu benennen.

Angeregt durch verschieden Forschungsarbeiten, aber auch durch Entwicklungen in den medizinischen Grunglagenfächern bis weit ins 20. Jahrhundert, begann eine langwierige Diskussion um die Nomenklatur. Häufig reichte dabei eine neue Hypothese zur Ätiologie der Parodontalerkrankungen, um gleichzeitig eine neue Terminologie und Klassifikation zu fordern. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelten sich so diverse Bezeichnungen für das gleiche Krankheitsbild, wobei zum Teil an jeder Lehreinrichtung aus vorwiegend ideologischen Gründen andere Synonyma verwendet wurden.

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP) versuchte 1975, diesen Disput durch eine einheitliche Nomenklatur beizulegen. Diese wurde zwar während der folgenden Jahre übereinstimmend verwendet, bald wurde aber auch die Kritik an dieser Einteilung laut. Hauptsächlich wurde bemängelt, dass eine Bezeichnung für nicht-entzündliche Schwundvorgänge am Zahnhalteapparat fehlte. Außerdem störte man sich an der weiteren Verwendung des Begriffs „Parodontose“ für entzündliche Veränderungen. Im Jahr 1987 erfolgte darum durch die DGP eine weitere Überarbeitung.
Klassifikation von 1987

Da zu diesem Zeitpunkt die genauen Ursachen und Gründe für die meisten Parodontalerkrankungen zumeist noch unbekannt waren, versuchte diese Klassifikation hauptsächlich die Definitionen der jeweiligen Krankheitsbilder zu aktualisieren. Dabei erfolgte die Einteilung in 5 Hauptgruppen entsprechend dem klinischen Bild.

* Entzündliche Formen
o akute oder chronische Entzündungen der Gingiva oder der Parodonts
o verursacht durch bakterielle Beläge
o unterteilt entsprechend der Verlaufsform und des Alters bei Krankheitsbeginn
* Gingivoparodontale Manifestationen systemischer Erkrankungen
o nicht durch Plaque bedingt, können aber von entzündlichen Formen überlagert sein
* Hyperplastische Formen
o primär entzündungsfreie Wucherungen des Zahnfleisches
o lokalisiertes oder generalisiertes Auftreten
o weitere Unterscheidungen entsprechend des histologischen Aufbaus
* Traumatogene Formen
o mechanische, chemische oder thermische Verletzungen
o Schädigungen können die Schleimhaut oder das gesamte Stützgewebe betreffen
* Involutive Formen
o entzündungsfreie Rückbildung des Parodontiums
o lokalisiertes oder generalisiertes Auftreten
o auch bezogen auf den zahnlosen Kiefer

Quelle: Wikipedia

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