Zahnfleischschwund: Welche Arten gibt es?
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Aktuelle Klassifikation von 1999
Auch in der Klassifikation von 1987 wurden bald viele Mängel festgestellt. Hauptkritikpunkt war, dass das Alter der Patienten bei Krankheitsbeginn zu stark betont wurde. Dagegen zeigten neuere Studien, dass es zwar Häufungen innerhalb der Altersgruppen gibt, jedoch trotzdem alle Verlaufsformen sowohl im frühen, als auch im späteren Lebensalter vorkommen können.
Außerdem wurden viele Veränderungen im Bereich des Parodontiums vollständig ausgeklammert wurden. Vor allem die Gingivopathien wurde nicht ausreichend erfasst. Einer weiteres Problem bestand darin, dass lange keine weltweit akzeptierte, einheitliche Nomenklatur existierte. Darum benutzten viele Wissenschaftler neben der Einteilungen entsprechend der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) von 1987, auch die der American Academy of Periodontology (AAP) von 1977, oder die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1978.
Die aktuelle Klassifikation überzeugt vor allem dadurch, dass sie auch für die vielen Verlaufsformen, welche nicht mit Plaque assoziiert sind, eine eindeutige Zuordnung entsprechend der Ursachen ermöglichte. Sie wird international von den meisten Fachgesellschaften genutzt und ermöglicht so eine einfache wissenschaftliche und klinische Anwendung.
Hauptgruppen [Bearbeiten]
Parodontalerkrankungen werden in 8 Hauptgruppen unterteilt:
1. Gingivale Erkrankung - Gingival Diseases (G)
2. Chronische Parodontitis - Chronic Periodontitis (CP)
3. Aggressive Parodontitis - Aggressive Periodontitis (AP)
4. Parodontitis als Manifestation einer Systemerkrankgung - Periodontitis as a Manifestation of Systemic Diseases (PS)
5. Nekrotisierende Parodontalerkrankung - Necrotizing Periodontal Diseases (NP)
6. Parodontalabszesse - Abscesses of the Periodontium
7. Pardontitis im Zusammenhang mit endodontalen Läsionen - Periodontitis associated with Endodontic Lesions
8. Entwicklungsbedingte oder erworbene Deformationen und Zustände - Developmental or acquired Deformities and Conditions
Quelle: Wikipedia
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Untergruppen
Diese Hauptgruppen werden in diverse Untergruppen eingeteilt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden hier nur die wichtigsten genannt.
* Gingivale Erkrankungen
o Plaque induzierte gingivale Erkrankungen
+ Gingivitis, allein durch Plaque hervorgerufen
+ Gingivale Erkrankungen, durch systemische Faktoren modifiziert
# Hormonelle Einflüsse (Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft, Diabetes mellitus)
# Blutbildstörungen (Leukämie u.a.)
+ Gingivale Erkrankungen durch Medikationen modifiziert (Phenytoin, orale Kontrazeptiva, u.a.)
+ Gingivale Erkrankungen durch Mangelernährung modifiziert (Vitamin C-Mangel u.a.)
o Nicht durch Plaque induzierte gingivale Erkrankungen
+ Gingivale Erkrankungen durch spezifische Bakterien hervorgerufen (N. gonorrhoea, T. pallidum, Streptokokken u.a.)
+ Gingivale Erkrankungen viraler Genese (alle Formen der Herpes-Infektionen)
+ Gingivale Pilzerkrankungen (Candida, Histoplasmose u.a.)
+ Gingivale Erkrankungen genetischer Genese
* Chronische Parodontitis
o Lokalisiert (bis zu 30% aller Zahnflächen sind betroffen)
o Generalisiert (mehr als 30% aller Zahnflächen sind betroffen)
Zusätzlich wird der Schweregrad der Erkrankung entsprechend dem Attachmentverlust eingeteilt in leicht (1-2mm), mittel (3-4mm) oder schwer (≥5mm).
* Aggressive Parodontitis
o Lokalisiert
o Generalisiert
* Parodontitis als Manifestation einer systemischen Erkrankung
o Assoziiert mit Störungen der Blutbildung (Leukämie u.a.)
o Assoziiert mit genetischen Störungen
+ Familiäre oder zyklische Neutropenie
+ Down-Syndrom
+ Leukozytenadhäsionsmangel-Syndrom
+ Papillon-Lefèvre Syndrom, Keratoma palmare et plantare
+ Chediak-Higashi Syndrom
+ Histiozytose-Syndrom oder Eosinophiles Syndrom
+ Glykogenspeichererkrankung
+ Infantile genetische Agranulozytose
+ Cohen Syndrom
+ Ehlers-Danlos-Syndrom (Typ IV und VIII AD)
+ Hypophosphatasie
* Nekrotisierende parodontale Erkrankungen
o Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG)
o Nekrotisierende ulzerierende Parodontitis (NUP)
* Abszess des Parodontiums
o Gingivaler Abszess
o Parodontaler Abszess
o Perikoronaler Abszess
* Kombinierte parodontale-endodontale Läsionen
o primär endodontischen Ursprungs
o primär parodontischen Ursprungs
o kombiniert paro-endodontischen Ursprungs
* Entwicklungsbedingte oder erworbene Abweichungen und Bedingungen
o Lokalisierte zahnbezogene Faktoren, die modifizierend oder prädisponierend zu einer plaqueinduzierten gingivalen Erkrankungen/Parodontitis führen
+ anatomische Merkmale des Zahnes
+ Zahnrestaurationen
+ Wurzelfrakturen
+ Zahnwurzelresorption und Zementabriss
o Mukogingivale Abweichungen und Bedingungen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zahn
+ Gingivale Rezession
+ Mangel an keratinisierter Gingiva
+ Verringerte vestibuläre Tiefe, flacher Mundvorhof
+ abnormale Frenulum-/Muskelposition
+ Gingivale Vergrößerung
+ Abnormale Farbe
o Mukogingivale Abweichungen und Bedingungen am zahnlosen Kieferkamm
+ Vertikale und/oder horizontale Kieferkammdefizienz
+ Mangel an gingivalem/keratinisiertem Gewebe
+ Gingivale/Weichgewebe-Vergrößerung/Wucherung
+ Abnormale Frenulum/Muskelposition
+ Verringerte vestibuläre Tiefe, flacher Mundvorhof
+ abnormale Farbe
o Okklusales Trauma
+ Primäres okklusales Trauma
+ Sekundäres okklusales Trauma
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Kritik und Vorschau
Obwohl die aktuelle Nomenklatur seit 1999 in Gebrauch ist und sich spätestens seit ihrer Übersetzung auch im deutschsprachigen Raum durchsetzt, wird sie noch nicht von allen Zahnärzten einheitlich genutzt. Dafür lassen sich verschieden Gründe finden, die zum Teil auch als Kritik an der Klassifikation zu verstehen sein dürften. Zum einen gibt es noch immer keine Übereinstimmung mit der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems der WHO. Dadurch wird eine Nutzung des ICD-Schlüssels für die Diagnose, wie sie für Allgemeinmediziner schon gefordert wird, für Zahnmediziner unnötig erschwert.
Des weiteren fehlt für die Manifestationen der HIV-Infektion in der Mundhöhle eine eindeutige Zuordnung. Gerade bei diesem Krankheitsbild finden sich häufig verschiedene Symptome, welche separat unter den Hauptgruppen 1, 5 und 8 zugeordnet werden müssen. Außerdem muss in vielen wissenschaftlichen Arbeiten auf ältere Studien zurückgegriffen werden, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch die alte Klassifikation genutzt haben. Unabhängig davon ist natürlich auch jede neue Klassifikation für den Benutzer eine Umstellung, die eine gewisse Bereitschaft zur Weiterbildung erfordert. Leider ist diese Bereitschaft in der Berufsgruppe noch nicht ausreichend hoch, weshalb die ältere Klassifikation wohl noch einige Zeit parallel bestand haben wird.
Die Forschung im Gebiet der Parodontologie ist noch lange zu keinem Abschluss gekommen. Darum ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis erneut aktuellere Ergebnisse eine Überarbeitung der Klassifikation erforderlich machen. Über diese Neuerungen lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nur spekulieren.
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