Wie lange halten Zahnimplantate?
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Haltbarkeit
Der Begriff „Haltbarkeit“ ist unpräzise. Gemeint ist damit die Liegedauer eines Implantates im Knochen. Bei zahnärztlichen Implantaten gibt es also keinen dem Begriff Haltbarkeit assoziierbaren Gebrauchsverlust, weil sie sich in dem Sinne nicht verbrauchen. Ihre Haltbarkeit im Kiefer ist vielmehr abhängig vom Erhalt des umgebenden Knochens. Die Verbindung zwischen Implantat und Knochen ist nahezu ausschließlich durch bakterielle Einflüsse zerstörbar (Auflösung der Knochenmatrix durch Matrixmetalloproteinasen, MMPs). Genetische Gesichtspunkte der evolutionsbiologisch verhältnismäßig jungen Ernährung mit Getreideprodukten erklären die erhöhte Infektionsneigung der Gingiva und des Zahnhalteapparates bei schwerpunktorientierter Broternährung in Deutschland. Daher kommt der Infektionsverhütung vor, während und nach dem Einbringen des Zahnimplantates eine entscheidende Rolle zu. Mit abnehmender Empfindlichkeit gegenüber bakteriellen Einflüssen bei gleichzeitiger Zunahme des intensiven Implantat-Knochenkontaktes (BIC: "bone to implant contact") unter funktionell-physiologischer Kaubelastung sinkt das Risiko des Implantatverlustes, weil die mechanische Belastung zeit- und intensitätsabhängig zu einer röntgenologisch nachweisbaren gesteigerten Mineralisierung des umgebenden Knochens führt. Dies bedeutet, dass in der Anfangszeit nach der Operation sehr viel größere Aufmerksamkeit auf Zahnreinigung und Mundhygiene verwendet werden muss, als nach ca. 2 Jahren ereignisloser Tragezeit. Die Haltbarkeit ist außerdem abhängig von der Größe der durch die Implantatgeometrie bedingten Oberfläche, dessen mircomorphologischer Gestaltung und der äußeren Form.
Eine Sonderstellung nehmen die heute häufig verwendeten basalen Implantate ein (z.B. BOI-Implantate, Diskimplantate). Sie werden durch einen T-förmigen Schlitz in den Knochen eingebracht, der es sogar erlaubt, in infizierte Knochenareale zu implantieren, gerade auch nach Zahnentfernungen und in Fällen von schwerer parodontaler Beteiligung. Denn über den Insertionsschlitz können Infektionen suppurieren. Die Gebrechtknoenbildung erfolgt in diesen Fällen leicht verzögert. BOI weisen im Gegensatz zu Schraubenimplantaten einen dualen Einheilungsmodus auf: es kommt einerseits zu einer Kontaktosteogenese, andererseits zur Geflechtknochenbildung mit sekundärem osteonalen Remodelling. Werden BOI-Implantate während der Einheilphase belastet (was sehr zu empfehlen ist), so trägt der Pumpeffekt zur Drainagge des Knochens bei. Denn Knochen weist in seinnem Inneren einen (osmotischen) Überduck auf. (Ihde S.: Principles of BOI, Springer ISBN 3-540-21665) BOI Implantate sind sehr leicht einzusetzen und falls sie einmal entfernt werden müssen, kann sofort ein neues Implantat gesetzt werden. Dies geht leider bei Schraubenimplantaten im Regelfall nicht. Der Vorteil von BOI Implantaten ist, dass sie sich in den resorptionsstabilen Knochenarealen verankern und deswegen kaum verloren gehen und sofort belastet werden können. Rauhe Oberflächen (siehe oben) sind für BOI-Implantate nicht nötig. Deswegen werden moderne BOI-Implantate mit völlig glatter, maschinierter Oberfläche hergestellt, die wesentlich infektionssicherer sind, als die rauhen Oberflächen, die für Schraubbenimlantate nötig zu sein scheinen. Der realtiv schmale, polierte Schaft von BOI-Implantate verhindert die bei Schraubenimplantatten bekannten Primärverluste praktisch völlig. Die Anwendung von BOI-Implantaten erfolgt nicht nach den "Regeln" der crestalen Implantologie, sondern sie folgt den "AO-Prinzipien der Knochenfrakturbehandlung", kombiniert mit speziell festgelegten prothetischen Regeln. Basale Implantate werden mit Vorteil bei Rauchern eingesetzt, da sie dort besser halten als herkömmliche Implantate (Donsimoni J.-M., Gabrieleff, P. Bernot, D. Dohan: Les implants maxillofaciaux à plateaux d`assise Concepts et technologies orthopediques, rehabilitations maxillomandibulaires, reconstructions maxillo-faciales, rehabilitations dentaires partielles, techniques de reintervention, meta-analyse.6e partie : une meta-analyse ? Implantodontie 13 (2004) 217-228)
Die Erfolgssicherheit zylindrisch orientierter Implantate liegt nach internationalen Statistiken im 5-Jahresintervall bei 85-90%. Sie ist im wesentlichen vom Eintreten einer Infektion abhängig. Durch geeignete Maßnahmen, die sich der konsequenten Infektionsprophylaxe unmittelbar postoperativ durch stationäre Nachsorge zuwenden, ist daher die Erfolgsquote im 10-Jahresintervall auf nahezu 100% steigerbar. Dies gilt nur für Nichtraucher. Es sind Liegezeiten von mehr als 40 Jahren bekannt bei 100 %iger Erfolgsquote und mit festem Zahnersatz.
Mit diesen Zahlen gehört die zahnärztliche Implantologie zu den erfolgreichsten medizinischen Eingriffen überhaupt. Die Erfolgsquoten im Bereich der orthopädischen Implantate liegen mit 75-85% deutlich darunter. Die Gründe liegen in der erhöhten Elektivität zahnärztlicher Implantate. Auch den sogenannten endogenen Infektionsfaktoren widmet sich die zahnärztliche Implantologie intensiver. Bei orthopädischen Implantaten ließe sich zudem durch verschiedene Änderungen der micro- und macromorphologischen Aspekte die Erfolgsquote steigern.
Quelle: Wikipedia
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