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Knochenquantität, knochenvermehrende Maßnahmen ("Knochenaufbau") und Knochentransplantate
Wenn nicht genug Knochen vorhanden ist, z. B. nach dem jahrelangen Tragen einer herausnehmbaren Zahnprothese, kann man naturgemäß kein für dieses Knochenangebot zu großes Implantat einsetzen, weil es schlicht nicht hineinpasst. Dann muss man entweder ein kleineres Implantat nehmen (z. B. ein kürzeres Zylinderimplantat oder schmales Blattimplantat oder Miniimplantat) oder man muss durch geeignete chirurgische Maßnahmen den benötigten Knochen wachsen lassen. Dies kann entweder durch Einfüllen von synthetischem Material (z.B. Tricalciumphosphat TCP), das dem Knochen sehr ähnlich ist, geschehen, oder durch Schaffung eines abgeschlossenen Hohlraums, in dem der Knochen von selbst nachwächst, ähnlich wie beim leeren Zahnfach nach der Extraktion (Zahnziehen). Viele wissen nicht, dass der Knochen genauso nachwächst, wie Weichgewebe (z. B. Zahnfleisch etc.) Er benötigt wegen seiner geringeren Stoffwechselrate jedoch sehr viel länger dafür. (Die komplette Knochenregeneration beim Menschen beträgt daher ca. 10 Jahre, während z. B. die Regeneration aller Leberzellen ca. 6 Monate dauert und die der Darminnenauskleidung schon nach 3 Tagen komplett ist (Löffler, Petrides: Biochemie und Pathobiochemie, 7. Aufl. Springer Verl. 2003))
Fremdmaterial, und dazu gehört auch körpereigener Knochen aus anderen Bereichen des Skeletts, muss jedoch zunächst vom Körper abgebaut werden (benötigt ca. 1-2 Jahre), bevor an dessen Stelle (Raumanspruch) der eigentliche eigene ortständige Knochen wachsen kann. Daher ist es nur sinnvoll einsetzbar, wenn es als Platzhalter wirken soll, wenn sich mit anderen Möglichkeiten kein stabiler Hohlraum chirurgisch bilden lässt. Die Beseitigung des Fremdmaterials durch den Organismus bedeuted immer eine Verzögerung des Nachwachsens eigenen Knochens. Wenn also irgendmöglich, sollte das zunächst störende Material nicht eingesetzt werden. Wer allerdings ausreichend Zeit mit bringt (ca. 1 Jahr und mehr), dem kann auch synthetisches Knochenersatzmaterial als Platzhalter eingesetzt werden.
Eigenmaterial (eigener Knochen), z. B. aus der Hüfte, verhält sich im Grunde wie synthetisches Material. Es kann daher auch nur als Platzhalter wirken, weil es ebenfalls zunächst vom Körper abgebaut werden muss, bevor der genetisch für diesen Ort im Kiefer des Körpers geeignete Knochen entstehen kann (Helms,J.A. et al., NATURE 423, 326-331,2003). Warum selbst körpereigener Knochen abgebaut und nicht umgewandelt wird, liegt auf der Hand: jeder Gewebetyp bei Tieren und Menschen braucht für das Wachstum seiner Zellen Boteneiweiße, die das Wachstum und die Teilung von Zellen in der Nachbarschaft auslösen. Bloße Zufuhr von Nahrungsstoffen, wie bei Bakterien (Prokaryoten) führt bei Mensch und Tier (Eukaryoten) nicht zu Zellwachstum und Zellvermehrung. Daher ist es sinnlos, wenn unter der Vorstellung der Beschleunigung des Anwachsens nach einer Implantation Kalziumtabletten gegeben werden. Dieses Kalzium wird als Überschuss rasch über die Nieren ausgeschieden. Fremdmaterialien und eben auch körpereigene Knochentransplantate kommen aus einer Körperregion, wo im System der Boteneiweiße andere Empfängerstellen (Rezeptoren) an den Nachbarzellen sind. Das Transplantat sendet, solange es lebt, also Boteneiweiße aus, für die die Nachbarschaft der Zielregion (hier der Kieferknochen) keine Rezeptoren hat und umgekehrt: die Nachbarzellen, senden Boteneiweiße aus, die im Transplantat keine Empfänger finden (B.Alberts, James D. Watson et al., Molecular Biology of The Cell, 4th Edition, Garland Science 2002). Das Transplantat ist aus dem messenger-receptor-System ausgekoppelt. Bis zu seinem Absterben und der Resorption vergeht aber eine verhältnismäßig lange Zeit, sodass es zunächst bis zu seinem Verschwinden (ca. 1-2 Jahre) als Platzhalter dienen kann. Anders als bei völlig fremden Transplantaten (Niere, Herz, Leber) von anderen Menschen oder Tieren kommt es nicht zu der dort bekannten heftigen immunologischen Abwehr.
Eine routinemäßig verwendete Methode zur Verdickung der Knochenschicht im Seitenzahnbereich des Oberkiefers ist der sog. "Sinuslift". Hierunter versteht man eine Operationsmethode, bei der die Innenauskleidung des Bodens der Kieferhöhle chirurgisch abgelöst wird und der entstehende Hohlraum durch Knochenersatzmaterial oder auf natürliche Weise (Umwandlung des Blutkoagels in nativen Knochen) aufgefüllt wird. Hierbei kann man dann entweder das Implantat gleichzeitig einbringen oder zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die für die Implantatlänge erforderliche Schichtdicke an Knochen nachgewachsen ist. Je kürzer hierbei das Implantat sein kann, desto schneller ist das Ziel erreicht. Deshalb eignen sich besonders für den Sinuslift die kurzen, aber dafür horizontal ausgerichteten Blattimplantate mit geringer Eindringtiefe (s. obiges Röntgenbild). Werden sie zudem gleichzeitig, aber belastungsfrei (durch Abschrauben der Trägerpfosten) mit dem Sinuslift in den Kieferknochen oder der restlichen Knochenschicht in Position gebracht, dient ihre microporös aufgeraute Titanoberfläche als erste wichtige Haftfläche für Knochenzellen, so dass die Knochenneubildung auf diese Weise auch von der Implantatoberfläche ausgehen kann.
Quelle: Wikipedia
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