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Besonderheiten der Knochenbiologie im Frontzahnbereich und die Folgen
Die Ernährung des Gewebes erfolgt im wesentlichen über die Blutzufuhr. Im Oberkiefer geschieht dies hauptsächlich durch zwei dicke Arterien, die vom hinteren Rand in der seitlichen Kerbe des Oberkiefers beiderseits nach vorne ziehen. Dies bedeutet, dass die Gaumenseite durch zwei große Gefäße (Adern) ernährt wird, während die Lippen- und Wangenseite durch die Zahnreihe hindurch, die Zähne selbst und durch die wangenseitige Schleimhaut im Mundvorhof (vestibulum oris) ernährt werden muss. Diese relative Mangelernährung des Knochens auf der Wangenseite führt auch unter natürlichen Umständen dazu, dass, vor allem gut sichtbar im Eckzahnbereich, sich die Kontur der Zahnwurzeln in der knöchernen Unterlage des dortigen Zahnfleisches abbildet. Wenn im Falle einer Implantation die Komponente der Ernährung durch den Zahn selbst in dem Moment entfällt, wenn der Zahn fehlt und durch einen Stück Metall, dem Implantat, ersetzt wird, kommt es im Frontzahnbereich häufig vor, dass die dünne Knochenschicht sich zurückzieht, weil sie nicht ausreichend ernährt wird, und mit ihr auch das Zahnfleisch. Dies hat unangenehme kosmetische Effekte, so dass man den metallisch-dunklen Implantatkörper, besonders beim Lachen sehen kann. Um hier Abhilfe zu schaffen, besann man sich wieder auf die weißen Keramiken, die früher verwendet wurden. Seinerzeit wurden diese Werkstoffe verlassen, weil sie nicht elastisch genug waren und unter der Durchbiegung des Knochens oftmals in der Tiefe brachen. Neuerdings gibt es ein extrem hartes Material, das Zirkon, das diesen Belastungen standhält und wegen seiner weißen Farbe bei einem eventuellen Rückzug des Knochens und des Zahnfleisches kosmetisch nicht so störend ist. Leider geht diese Keramik keine gleichartige Verbindung mit dem Knochen ein, wie das Titan. Die Erfahrungen mit diesem Werkstoff sind noch nicht ausreichend, um wirklich als Alternative zum Titan zu gelten. Hier muss also noch abgewartet werden.
Da es sich bei dem Rückzug des Knochens in der Front um ein Ernährungsproblem handelt, weil die Knochenschicht durch das dicke zylindrische Implantat relativ zu dünn wird, lässt sich dieses Problem jedoch lösen, wenn man ein schmaleres oder anders geformtes Implantat nimmt. Neben den hierfür besonders gut geeigneten Blattimplantaten gibt es einen, ebenfalls zylindrisch geformten Implantattyp, der sich dadurch auszeichnet, dass er wie eine Säule von Geldmünzen mit großen Abständen zueinander aussieht. Der Kern ist dabei sehr dünn. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass vor allem in waagerechter Richtung die Ernährung des Knochens gewährleistet ist. Außerdem ist sein oberer Rand kegelförmig abgeschrägt und entspricht damit in der Kontur eher dem zugespitzten Kieferkamm. Dadurch bleibt die Knochenschicht am oberen Rand sehr viel dicker und kann das Zahnfleisch besser ernähren. Der Rückgang des Knochens und besonders im ästhetischen Bereich in der Front ist damit der Zahnfleischrückzug und das Freiliegen des metallischen Implantatkörpers weniger wahrscheinlich.
Die Ernährung des Knochens im empfindlichen Bereich der Frontzonen wird auch vermindert, wenn zu viele Implantate dort eingesetzt werden , d. h. also für jeden fehlenden Zahn 1 Implantat. Im Gegensatz zum natürlichen Zahn, bei dem eine Ernährungswechselwirkung zwischen Zahn und den ihm umgebenden und haltenden Knochen existiert (Tarnow, NYU), fehlt diese Ernährung beim Implantatbolzen aus Metall genauso wie beim wurzelgefüllten Zahn. Vor allem der dünne Knochenspalt zwischen den Implantaten führt oft dazu, dass sich dieser „Restknochen“ nicht selbst ernährt und dann zugrunde geht. Es kommt also auf das richtige Verhältnis von lebender Substanz zu toter Fremdsubstanz an. Wird der Kieferknochen durch zu viel metallische Fremdsubstanz ersetzt wie bei dicken Implantatzylindern, die zudem auch noch zu eng stehen, zieht er sich wegen Mangelernährung zurück. Wie dieser Quotient zwischen Knochensubstanz und Metall aber aussehen soll, ist bisher noch nicht definiert und ist damit Gegenstand zukünftiger Untersuchungen. Für den minimalen Abstand zwischen Implantatbolzen und ihren die zukünftige Zahnkrone tragenden Pfeilern gilt ein Erfahrungswert von 1,5 bis 2 mm im oberen Bereich an der Durchtrittstelle durch das Zahnfleisch, und zwar rundherum, also auch lippenseitig. Dieser Wert muss verhältnismäßig oft in der Front unterschritten werden, zumal das natürliche Zahnfach (Alveole) genau dort oft unter 1 mm Randdicke hat. Sehr oft zieht es sich auch beim natürlichen Zahn gerade dort zurück, wo man es am meisten sieht (scheinbar lange Zähne). Das Implantat vergrößert das Problem. Abhilfe könnte hier eine ovale statt kreisrunde Implantatform schaffen, die im übrigen ja beim natürlichen Frontzahn vorliegt. Diese ovale Form würde die Knochenschicht zwischen den Implantaten dicker werden lassen, wenn sie jeweils so gedreht werden, dass die schmalen Kanten nach außen und innen zu liegen kommen. Damit wäre aber das Problem der zu dünnen knöchernen Außenschicht (lippenseitigen) des Implantatlagers weiterhin ungelöst. Das Einbringen dieses ovalen Implantates wäre aber für den Zahnarzt chirurgisch nicht mehr so schön einfach, wie bei einem kreisrunden Bolzen (Rotationssymmetrie), den er mit einem rotationssymmetrischen Kanonenbohrer sehr leicht nach dem Muster der Heimwerker-Dübel-Technik einbringen kann. Dieses einfache Vorgehen ist auch für den Patienten von großem Vorteil, denn die reduzierte Belastung bei schnellerem Behandeln spielt vor allem bei örtlicher Betäubung eine große Rolle. Zweifellos gibt es trotz enormer Erfolge bei Implantaten im Mundbereich noch zahlreiche, z. T. schwerwiegende Grenzen.
Quelle: Wikipedia
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