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Guten Tag,
vor 2 Wochen wurde bei mir eine undichte Kunststofffüllung entdeckt. Meine Zahnärztin bohrte und bohrte bis sie meinte, sie sei nicht sicher ob sie den Zahn noch retten kann. Es hat sich starke Karies unter der Kunststofffüllung gebildet. Kann man das nicht vorher feststellen, ob sich Karies gebildet hat unter der Füllung? Zumal ich mehrmals dort war weil ich einen üblen Geruch aus der Gegend meines Mundes wahrgenommen habe. Nun, sie hat sehr tief gebohrt und das Ganze mit einer Amalgamfüllung verschlossen. Da es sich um den lezten Zahn oben links handelt bin ich verzweifelt beim Gedanken daran ihn zu verlieren. Am selben Tag wurde auch der Weisheitszahn daneben gezogen. Direkt den Tag dannach hatte ich keine Beschwerden. Da mir bereits vorher 2 Weisheitszähne unten gezogen wurden kenne ich den Wundschmerz. Was ich jetzt habe ähnelt mehr einem starken Entzündungsschmerz...
Ich habe Schmerzen wenn ich aus versehen auf die Gegend draufbeiße. Also fester als beim Kauen. Dann ist es so als ob ich alle 3 bis 4 Std. Stromschläge in meinen Kiefer bekomme. Vorwiegend in der Gegend in der gebort wurde. Manchmal sogar erst im Unterkiefer links. Dann kann ich ungefähr 20 Sekunden abwarten und der Schmerz zieht von links oben durch die ganze linke obere Kieferhälfte, ins Ohr und Auge der nach ca. 1-2 Min. aber spurlos wieder verschwindet. Nachts auch...
Meine Zahnärztin meinte ich soll mal abwarten und in spätestens 3 Wochen sei es hoffentlich weg. Nun meine Bedenken: Was wenn sich da eine Entzündung entwickelt hat? Nicht, dass sich mein Nerv womöglich verabschiedet oder die Wurzel. Was denken Sie, liegt meine Zahnärztin richtig mit dem "Abwarten"? Ich habe noch mehrere Kunststofffüllungen. Wie soll ich mich da verhalten? Womöglich austauschen lassen gegen Amalgam? Es muss doch irgendwie möglich sein festzustellen ob ein Patient darunter Karies hat oder nicht? Ich danke Ihnen im Voraus für eine Antwort. Mit freundlichem Gruß
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Hallo Tanja,
Sie sprechen ein ernstes Problem an, nämlich: wie kann der Zahnarzt objektiv Karies unter Kunststoff feststellen? Antwort: geht nicht. Sie werden entsetzt sagen, " das kann doch nicht wahr sein". Nur ich sage Ihnen, genau so ist es.
Wissen Sie, was wirklich pervers an dieser Situation ist? Amalgam wird häufig mit dem windigen Argument herausgebohrt, da wäre Sekundärkaries. Letzteres bedeutet, dass sich am Rand er Füllung neue Matsche gebildet hat. Und in 6 von 10 Fällen stimmt diese Begründung nicht, da ist keine Matsche gewesen. Da wollte nur jemand, dass da Sekundärkaries .... Die Amalgamfüllung wurde deshalb rausgebohrt, weil der Schleifmeister seine "amalgamfreie Praxis" auslasten möchte.
Heute, wo etwa 70% der früheren Amalgamfüllungen rausgebohrt sind und mit wesentlich kariesanfälligeren Kunststoff Füllungen versehen sind, da kommt es genau zu dem vorhersehbaren Problem, das Sie jetzt haben: objektiv kann man Karies nicht feststellen, auch nicht mit dem Röntgenbild. Man kann sich nur der Wahrheit nähern.
Bei den Kunststoff Füllungen gibt es aber 3 Besonderheiten, warum die nicht mal eben schnell rausgebohrt werden:
1. Das Rausbohren von Kunststoff, besonders die Variante ohne Unterfüllung, ist zeitaufwändig, weil man den Unterschied zwischen Füllungsmaterial und Zahn im Mund praktisch nicht sieht.
2. Amalgam macht im Röntgenbild einen 100 %igen Röntgenschatten, unter dem Karies gut zu sehen ist. Kunststoff, insbesondere Kunststoff Kleber, sieht im Röntgenbild z.T. aus wie Karies.
3. Halbeindeutige Anzeichen für offene Stellen, wie Geruch, Überempfindlichkeit auf Temperatur und Verfärbungen nimmt man als Behandler bei Kunststoff nicht sonderlich ernst, weil das auch bei ganz dichten Füllungen oft genug vorkommt.
So, jetzt wissen Sie Bescheid. Zu Ihrem Zahn: für mich hört sich das schon nach einem offenen Zahnnerv an. Leider ist die Chance, dass der Zahnnerv das langfristig überleben wird, recht niedrig (deutlich weniger als 50%). Wenn Sie also mehrere Tage Tabletten brauchen sollten, dann würde ich direkt eine Wurzelbehandlung durchführen.
Viele Grüße
_________________ Joachim Wagner
Zahnarzt
www.zahnfilm.de
Die Webseite für chronische Schmerzen im Kiefer
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Vielen Dank für die schnelle Beantwortung meiner Anfrage! Ich habe Gott sein Dank diesen extremen Schmerz nicht mehr und befinde mich hoffentlich auf dem Weg der Besserung. Ist es aber trotzdem möglich, dass der Zahn wieder aufmuckt? Bzw. der Nerv? Falls eine Wurzelbehandlung durchgeführt werden muss: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich meinen Zahn langfristig behalten kann? Ich habe von Freunden gehört, dass ein wurzelbehandelter Zahn in der Regel nicht mehr lange erhalten werden kann sondern nach spätestens 10 - 15 Jahren sowieso verloren geht. Das wäre ja schrecklich. Eine Antwort eines Experten wurde mir hier Gewissheit verschaffen. Danke im Voraus. Mit freundlichem Gruß
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Hallo Tanja,
wurzelbehandelte Backenzähne werden ohne Probleme älter als 10 Jahre, vorausgesetzt die Wurzelfüllung ist okay und sie haben eine Krone.
Viele Grüße
_________________ Joachim Wagner
Zahnarzt
www.zahnfilm.de
Die Webseite für chronische Schmerzen im Kiefer
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