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Karies unter Amalgamfüllung






Zahnärztin hat versehentlich zur Pulpahöhle durchbohrt, sie sagte, da muß man jetzt eine Wurzelbehandlung machen.

Frage 1: Wie stehen die Chancen ohne Wurzelbehandlung? Generell und in meinem Fall s.u.?
--- nach 10 Jahren ist Ihr Zahn zu 80% sicher tot, mit und ohne Zahnarzt.

Verlauf:
Es handelt sich um Backenzahn 6 unten links. Hatte seit 20 Jahren eine mittelgroße Amalgamfüllung. Karies unter Amalgamfüllung. Also Amalgam raus, KeramikInlay (damit der Zahn möglichst wieder Jahrzehnte in Ruhe gelassen werden kann!) rein, seitdem (war vor 5 Monaten) manchmal Schmerzen beim Kauen. Vieles probiert: Strontium, Fluor, Kunststoffschicht drüber um Dentinkanälchen zu verschließen, aber nichts veränderte den Druckschmerz. Aber nach jeder Behandlung waren Schmerzen kurzfristig stärker, pendelten sich dann wieder auf den leichten Kauschmerz ein. (Der war gut aushaltbar, aber bei einer teuren Inlayarbeit wollte ich sichergehen, dass auch alles in Ordnung ist oder ob es nochmal gemacht werden muss!)
Wegen Umzug zu neuer Zahnärztin, die machte das Keramikinlay raus (da Kauschmerz durch keine Behandlung wegging, wollte sie prüfen, ob das Inlay mechanische Probleme verursachte), für 4 Wochen Zement rein. Danach zum ersten Mal auch kalt/heiß-Schmerzen 2 Wochen, gingen dann weg, Kauschmerzen waren ein paar Tage lang schlimmer als vorher, dann deutlich weniger. Gut aushaltbar. Hätte gut so bleiben können.
--- danke für diese Zeile.

Da aber bereits neuer Termin für langristige Füllung vereinbart war, bin ich hin, Zahnärztin bohrte Zement raus - und bohrte in Pulpahöhle (- da sei noch so viel Kunstoffkleberreste wegzubohren und schlecht zu sehen gewesen...) Loch sei größer als Sondenspitze, Nerv müsste daher raus.
Auf meinen Wunsch verlief der Vorgang ohne Betäubung, Zahn schmerzte natürlich als er geöffnet war wie nie vorher, aber aushaltbar.
Ich wollte Alternativen zur Wurzelbehandlung, also kam "Wundverband" und eine zweite Schicht (weiß nicht welche) und Zement drauf.

Frage 2 :
Warum eigentlich nicht sofort eine definitive Langzeitfüllung? Zement muss doch wieder rausgebohrt werden?
--- Zement ist nicht gleich Zement. Welche Sorte ist es bei Ihnen?

Zahn schemrzte nach der Behandlung, aber am nächsten Tag schmerzte nix mehr. Gutes Zeichen?
--- prinzipiell ja

Am 2. Tag wieder der übliche leichte Schmerz beim Kauen, kein kalt/heiß. Ab dritten Tag kalt/heiß und heute 4. Tag (Wochenende) erkenne ich, dass die Zementfüllung 2 Bruchstellen aufweist.
--- also vermutlich Phosphatzement. Das ist in der Tat fragwürdig. Da hätte ich Glasionomerzement (GIZ) genommen. Das kann man 3 Jahre drin lassen.

Schmerzen weiterhin nur geringfügig bei manchen Kaubewegungen und bei kalt/heiß.

Frage 3:
Welche Möglichkeiten habe ich jetzt?
--- Klären Sie bitte das Material


Frage 4:
Ist durch die Bruchstellen und Spalte auch Essen und Bakterien in Pulpahöhle gekommen (und deswegen eine Ziehung des Nervs unvermeidbar?) oder werden die trotz Zementbruchstellen vom "Wundpflaster" und der zweiten Schicht abgehalten?
--- jede einzelne Schicht soll möglichst für sich bakteriendicht sein. Und ganz besonders die Deckfüllung, weil diese Wundpflaster aus "Dycal" und ähnlichen Materialien mittelfristig brüchig werden.

Frage 5: Muss jetzt wegen Bruchstelle der Zement sofort rausgebohrt werden und neue Füllung drauf und ist das überhaupt möglich, wenn bereits Pulpahöhle vor 5 Tagen angebohrt worden ist?
--- man muss ja nicht schon wieder an die gleiche Stelle dran. Abdichten ist jetzt gefragt.

falls ja:
Frage 6:
Was soll jetzt als Füllung rein? Ich möchte den Zahn erhalten und jede Chance dafür nutzen, Kosten (auch vergebliche) sind kein Entscheidungskriterium für mich, sondern nur die Erhöhung der Chancen auf Zahnerhalt. Zement wegbohren und Goldinlay drauf?

Ich wäre dankbar für eine fachliche Einschätzung und danke im Voraus für Ihre Mühe.

habe viel im Internet recherchiert. Wurzelbehandlung gut dokumentiert, aber zu Chancen bei versehentlich durchbohrter Pulpahöhle konnte ich nur wenig finden.
--- die Chancen eines langfristigen Pulpenerhalts sinkt durch das Öffnen der Pulpa entschieden, wie wir inzwischen wissen. Sobald die Restdentinstärke unter 0,5mm geht, muss mittelfristig mit einem Pulpauntergang gerechnet werden. Unser Hauptproblem ist tatsächlich die Abdichtung gegen den Einmarsch von Mikroben. Angeblich soll das auch mit Kunststoff auf offener Pulpa gehen. Probieren Sie das besser nicht aus. Das geht hochwahrscheinlich schief. Die beste Prognose hat zur Zeit die Kombination: Abdeckung der offenen Pulpa mit CalciumHydroxyd und darüber konventioneller Glasionomerzement ohne Kunststoffanteile alternativ Calciumhydroxid und Amalgam.
_________________
Joachim Wagner
Zahnarzt

www.zahnfilm.de/af
Die Webseite für chronische Schmerzen im Kiefer


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