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Thema-Überblick
Autor
Nachricht
jobohrer
Verfasst am: 10.02.2008, 01:31
Titel: Tötung sensibler Nervenbahnen durch Erhitzung
Hallo Frau Lohmann,
Sie schrieben:
Ich gehe jetzt mit dem Amitriptylin jeweils alle 3 Tage um ca. 6,6 mg runter. Ich habe nur die 50er bzw. 24er-Packung. Mein Arzt war nicht bereit mir 10 mg aufzuschreiben, so bröckel ich so gut ich kann an den Tabletten herum, um ungefähr die Menge abzutrennen, die gerade angesagt ist. Ich habe nun von einer 25mg-Tablette ein Viertel getrennt für 3 Tage und wollte dann eine halbe nehmen. Dann bin ich bei 12,5 angekommen. Mein Arzt sagt, dass ich erst gucken soll, ob die Schmerzen nicht zunehmen. 12, 5 mg wäre dann auch eine gute Dosierung. Ich denke aber, dass 10 mg weniger ist und somit für mich besser. Das sind eine Menge weniger Tabletten, die man auf lange Sicht schluckt. Es geht sicherlich um die Packungsgröße und Zuzahlung, so vermute ich.
--- glaube ich nicht. Ihr Arzt ist wirklich besorgt. Denn es ist allgemein schon so, dass mehr Menge auch mehr hilft. Nur hat Amitriptylin anscheinend mehr als eine Schwelle bzw. optimale Wirkkonzentration und das ist bis heute nicht vernünftig ausgearbeitet worden.
10 mg-Tabletten gibt es doch sicherlich, oder?
--- korrekt. Ich verschreibe immer die 10er in der 100 Tabletten Packung. Die kosten ganz privat um die 15 Euro, also praktisch nichts im Vergleich mit aktuellem Material wie Lyrica.
Bedeutet Thermokoagulation eigentlich Durchtrennung des Nervs, Verödung oder Tötung sensibler Nervenbahnen durch Erhitzung (so verstehe ich die Erklärungen im Internet)?
--- genau. Verkochen könnte man es übersetzen. Im Grunde hält der Chirurg da einen kleinen Lötkolben in die Gegend und hofft, einigermassen die richtige Stelle zu treffen und läßt es qualmen.
Da ich unbedingt noch ein Kind haben möchte, möchte ich nicht die nächsten Jahren Tabletten schlucken. Ich könnte mir auch vorstellen, dass eine frühere Thermokoagulation u.ä. vielleicht besser am Anfang hilft als später, wenn mein Schmerzgedächtnis sich immer weiter ausbaut.
--- Klingt zwar logisch, ist aber nicht so. Da muss ich etwas ausholen: die Signale von den Haut/Schleimhaut/Zahnarealen Richtung Hirn laufen ganz grob über folgende Relaisstationen:
1. Sensor Haut bis Synapse im Hirnstamm ist Neuron 1. Dessen Zellkörper liegt beim Trigeminus im Ganglion Trigeminale (Gasseri), dass da typischerweise verkocht wird.
2. vom Hirnstamm geht es in den Thalamus, das macht Neuron 2
3. vom Thalamus geht es schon direkt in den somatosensorischen Cortex (SSC) Neuron 3, wo der Schmerz bewußt und örtlich zugeordnet wird.
Jetzt hat man sich Tiermodelle mit neuropathischen Schmerzen gebaut. Und bei denen kann man überzeugend darstellen, dass Neuron 1 bei neuropathischen Zuständen oft gar keine übermäßigen Signale überträgt (mit Ausnahmen natürlich), die entstehen erst weiter hinten, besonders Neuron 3. Das ist auch der Grund, warum manche solcher Thermokoagulationen überhaupt keinen Effekt haben. Als ganz grobe Richtschnur: wenn die Neuropathie beidseitig auftritt, dann kann man den chirurgischen Ansatz gleich vergessen.
Vermutlich schlagen Sie gerade die Hände über den Kopf zusammen, weil ich jetzt alles fachlich gesehen durcheinander bringe. Ordnen Sie bitte mein ggf. Gedankenchaos!
Ihnen ein schönes Wochenende
-----------
Ja, danke das läuft schon
Viele Grüße
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